Auch im Bereich der Kultur zeigen sich die Verwerfungen der Globalisierung. Manch einer setzt noch blindes Vertrauen in das Gütesiegel -Hochkultur, made in Germany- als Garant für einen florierenden Kulturexport. Andere haben Angst, den Zug internationaler Zusammenarbeit zu verpassen und den Anschluss an den -Weltkulturhandel- zu verlieren. Kulturexperten warnen, dass Deutschland die aktuellen Entwicklungen verschlafe und sich seit Jahren ausschließlich um sich selbst drehe. Schwellenlander wie China, Indien oder die arabischen Staaten nutzen paradoxerweise zunehmend westliche Kulturmodelle im Wettbewerb mit dem Westen.
Welchen Weg werden die nationalen Kulturen einschlagen? Oft wird der Kulturtransfer immer noch als eine Form von Kulturimperialismus praktiziert, obwohl Begriffe wie -internationaler Kulturaustausch- und -Transkulturalitat- in aller Munde sind. Skeptische Stimmen werden laut, die für die Zukunft der internationalen Kulturarbeit ein grundlegendes Umdenken fordern. Zusatzlich zur musealen Pflege des eigenen Kulturerbes muss eine Offnung des nationalen Kulturbegriffs nach innen und außen stattfinden, damit tatsachlich ein interkultureller Dialog auf Augenhohe entstehen kann. Aber wie ist das moglich? Wer kann diesen Prozess gestalten? Wo lauern die Gefahren, wie kann man ihnen begegnen?
Die Theatertreffen-Auswahl in diesem Jahr spiegelt mehr als je zuvor den Aufbruch des deutschsprachigen Theaters zu neuen Horizonten wider. Internationale Koproduktionen und landerübergreifend arbeitende Produktionsteams und Ensembles werden immer selbstverstandlicher. Das Theatertreffen als weltweit beachtete Leistungsschau der deutschsprachigen Theaterkultur bietet einen idealen Anlass, sich in dieser Podiumsdiskussion mit den Versaumnissen, Herausforderungen und Chancen zukünftiger (inter-)nationaler Kulturarbeit zu beschaftigen.